Das Optrasculpt Pad – Instrument zur Composite- Ausformung

von Gregor Sonin

Komposite in der Zahnheilkunde gibt es schon seit einer gefühlten Ewigkeit, und sind aus dem klinischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Leider gibt es aber auch seit einer gefühlten Ewigkeiten bei den Anwendern Schwierigkeiten bei der Verarbeitung, besonders bei den hochviskösen Kompositen. Unterschiedliche Füllstoffe und Monomerzusammensetzungen sollen das Kompositmaterial mal fester, mal weicher, mal weniger klebrig usw. machen, und der Markt bietet aktuell eine unüberschaubare Fülle an Produkten an. Grundsätzlich suchen alle Zahnärzte das perfekte Material für alle Situationen im Mund, gepaart mit geringstem Schrumpfungs/ Spannungs – und Verarbeitungsstress: das Material soll sich zum einem bewegen und perfekt adaptieren lassen, andererseits jedoch still stehen bleiben wenn man es will. Gleichzeitig soll es sich farblich perfekt an die Zahnhartsubstanz anpassen, ohne ein unnötiges Inventar mit einer Vielzahl verschiedener Farben in der Praxis vorhalten zu müssen.

Und wo hier gerade das passende Schlagwort fiel: unnötiges Inventar.

Wir alle haben in unseren Praxen eine Ecke mit dem „Schrein des Vergessens“, wo sich Geräte oder Produkte auftürmen, von denen man gerne vergessen würde, dass man jemals Geld dafür ausgegeben hat. Viele Errungenschaften sehen in der Produktbroschüre oder am Messestand so eindrucksvoll aus, dass man sich eine Optimierung im Praxisalltag damit erhofft, nach dem Kauf wird man aber sehr oft  von der klinischen Praxis eingeholt und das Produkt erfüllt nicht die in es gesetzten Erwartungen und verstaubt ungenutzt in der Schublade.

Umso erfreulicher ist es, wenn ein simples Produkt gleich in mehrerer Hinsicht positiv auffällt. So geschehen gleich mit zwei Neuerungen auf dem Markt, dem Optrasculpt Pad (http://www.ivoclarvivadent.de/de-de/handinstrumente/optrasculpt-pad) von Ivoclar Vivadent und den Sof-Lex Polierräder von 3m Espe (http://oralcare.3m-campaign.com/soflex/home/).

Das Optrasculpt Pad Instrument vereint mehrere Funktionen: es hat an einem Ende einen normalen flachen Spatel und am anderen Ende eine Öse wo ein in zwei Größen verfügbares und an Kompositen nicht klebendes Schaumstoffpad mit Kunststoffverstärkung eingeklickt wird. Zusätzlich sind an den Seiten des Instrumentengriffes Winkellinien und ein Lineal zur Verbesserung der Orientierung angebracht. Diese sollen bei komplizierten Neugestaltungen behilflich sein, wo umfangreiche Veränderungen die normalerweise genutzen Referenzpunkte unbrauchbar machen, so zum Beispiel bei Zahnverbreiterungen oder Verlängerungen der gesamten Oberkieferfront.

Was das Optrasculpt Pad aber für den klassischen Praxisalltag so brauchbar macht, ist wirklich dieses Schaumstoffkissen. Ich habe ein paar Fotos einer kleinen Testreihe gemacht um zu verdeutlichen was das Kissen so besonders macht.

Auf einer Glasplatte habe ich eine Reihe von gebräuchlichen Kompositen mit insgesamt vier verschiedenen Intrumenten bearbeitet um zu zeigen wie sich die einzelnen Komposite verhalten. Ich habe bewußt zwei „ältere“ Komposite mit in die Auflistung genommen, das Estelite Sigma von Tokoyama Dental aus dem Jahre 2007 und das Filtek Z250 von 3m Espe von 1999. Diese älteren und bewährten Komposite sind für ihre „selbstnivelierenden, selbstglättenden Eigenschaften“ bekannt, und das Estelite Sigma unter anderem für eine hervorragende Glanzretention. Der Füllkörperanteil wurde  bei neueren Kompositentwicklungen immer mehr erhöht, um noch bessere Produkteigentschaften wie erhöhte Druckfestigkeit oder reduzierte Schrumpfkraftspannung zu erreichen, was aber auf Kosten des Handhabung ging. Venus Diamond von Heraeus Kulzer ist eines dieser Hochleistungskomposite, aber viele Anwender erlebten das Problem von kleinen Porositäten die sich bei der Politur durch das Einpressen von Polierschleifteilchen unschön präsentierten. Heraeus reagierte auf die Anwenderbemerkungen mit einer Reduzierung der Viskosität und brachte es als Venus Pearl heraus, opferte dafür aber ein paar gute Eigenschaften. Der neuste Schrei im Dentalmarkt sind aktuell stopfbare Bulkfill-Komposite, die eine nochmal deutlich reduzierte Schrumpfkraftspannung vorweisen sollen, die aber vom Handling erneut Hindernisse aufwerfen: sie sind relativ weich, manchmal leicht klebrig und zeigen sehr wenig Selbstglättung.

Deswegen habe ich die oben genannten Vertreter mit in die Testreihe aufgenommen, um einen gewissen Überblick zu ermöglichen. Zum Testaufbau: ich habe 6 Komposite (Reihe 1.Estelite Sigma Quick, Reihe 2. Venus Pearl, 3. Venus Diamond, 4. Filtek Supreme XTE, 5. Filtek Bulk Fill SZ, 6. Filtek Z250) in vier Spalten eingeteilt, und von links beginnend mit einem Heidemannspatel, einer Sonde, dem Kerr Compothixo und dem Optrasculpt Pad geformt. Was auffällt ist die deutlich sichtbare Selbstglättung bei Estelite (1) und Filtek Z250 (6), und die bereits erwähnten Porositäten bei Venus Diamond (3) die auch in abgeschwächter Form beim Pearl sichtbar sind, die kurioserweise bei beiden am stärksten bei der schallaktivierten Modellation mit dem Compothixo auftrat. Das Filtek Bulkfill SZ zeigte gar keine Selbstglättung und keinerlei Fließverhalten bei der Modelation, die Eindrücke der Sonde in der zweiten Spalte sind selbst nach langer Wartezeit unverändert.

Was dieser Versuchsaufbau zeigen soll?
Das sich Anwender nicht wundern sollten, wenn sie jahrelang z.B. mit Estelite Sigma Quick und dem Konzept von Jason Smithson nur mit Sonde und Applikator (http://www.dentistrytoday.com/restorative/6718-qthe-simplified-conceptq-predictable-posterior-composites ) gearbeitet haben, plötzlich nicht mehr so unbeschwert arbeiten können.

Womit wir wieder bei dem Kissen vom Optrasculpt sind: in der letzten rechten Spalte der Versuchsreihe mit dem Optrasculpt Pad Instrument sieht man nämlich, dass alle Komposite eigentlich gleich aussehen. Dem Kissen ist es egal welches Komposit benutzt wurde, es liefert immer ein homogene, gleichmäßige Oberfläche, was besonders bei Frontzahnrestaurationen ungemein von Vorteil ist.

In einem weiteren Beitrag werde ich ein paar Beispiele zeigen, bei denen das Optrascupt Pad – Instrument zum Einsatz kam und  das dessen Einsatz  nicht nur auf Glattflächen im Oberkieferfrontzahnbereich beschränkt bleiben muss. Und auch die bereits erwähnten Sof-Lex Polierräder von 3m Espe werden ihren Einsatz haben.

 

5 Gedanken zu „Das Optrasculpt Pad – Instrument zur Composite- Ausformung

  1. Das Ding ist ein sehr empfehlenswertes Instrument, ich verwende es seit ein paar Jahren immer bei Frontzahn und Zahnhalsfülungen! Der größere der beiden Pads ist viel zu groß und m. E. de facto unbrauchbar. Absolut ätzend fand ich den Verpackungsaufwand: 61 Gramm Plastik und 34 Gramm Karton (ich habs ausgewogen und mich bei Ivoclar beschwert) um das Instrument marketingmäßig aufzudonnern und den überrissenen Preis optisch zu rechtfertigen. Das in Zeiten in denen über Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch (vordergründig offenbar nur) diskutiert ein völliges Unding.
    Grüße, L. Pröbster

  2. PS: Wir nennen das Ding übrigens Elefantenfuß!
    Die Polierräder von 3M ESPE haben mich im Vergleich zu So-Flex-Scheiben oder diamantierten Polieren wie Venus Supra oder Shofu Ceramiste nicht überzeugt – also erst mal testen ob es gefällt.

    • Die Verpackungsproblematik ist auch von uns mal im Zusammenhang mit dem Multilink Trial Kit aufgefallen. Besonders in der Medizin werden aber doch sehr oft bei Verpackungen und Müll beide Augen zugedrückt. Bezüglich des regulären Preises und der Verpackung bei dem Optrasculpt PAD kann ich das aber nicht beurteilen, bei mir kam das Instrument nach einer Versteigerung auf einer gekannten Auktionsseite nur in einer Tüte mit den beiden Packungen der Kissen an. Aber wenn man häufiger hochgefüllte Composite in der Front einsetzt ist es sehr hiflreich und die Anschaffung wert. Komischerweise ziehe ich das große 6mm Pad vor, aber das ist Geschmackssache und eine Übungsfrage.

      Bezüglich der Polierer: Venus Supra Polierer sind sehr gut und liefern einen exzellenten Glanz (und haben durch die helle Farbe den Vor-oder Nachteil das man Porositäten nicht sichtbar macht ), aber wir hatten das Problem das nur die Venus Supra Polierer unser Bohrerbad für alle unsere rotierenden Instrumente NICHT überstanden haben. Sie quollen auf und fielen vom Mandrell. Bei einem Preis von €4,50 das Stück nicht sehr praktisch. Ganz normale Brownies und Greenies zeigten keinerlei Probleme im selben Zeitraum.

      Die NEUEN Polierräder (beige und lila, http://oralcare.3m-campaign.com/soflex/produktinfos/) von 3m Espe sind der vorherigen Variante (beige und weiß) überlegen, ersetzen aber trotzdem nicht die Sof-Lex XT oder andere Polierer bei uns in der Praxis . Sie sind sehr hilfreich beim Erhalt von Oberflächenstrukturen, z.B. kann man eine okklusale Anatomie damit polieren ohne das Relief komplett einzuebnen. Aber ein Testen ob es einem gefällt, da wird man nicht drum rum kommen.

      Beste Grüße,

      • Viele Polierer dürfen nicht im Bohrerbad behandelt werden, sondern müssen im Autoklaven dampfdesinfiziert werden: Aufbereitungsanleitung des Herstellers beachten! (Wer liest die schon…)

  3. Hallo Gregor,

    hat Jason Smithson schon einmal einen Kurs in Deutschland gegeben?
    Ich würde ihn ja gerne mal live sehen! Wenn ein paar Leute sich zusammenschliessen kann man ihn ja mal einladen.

    Gruß Georg

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