Vorgehen bei Revitalisierung – Statement der ESE (I)

Von Bonald Decker

Durch einen Hinweis von Marc I. Semper bin ich kürzlich auf die aktuelle Stellungnahme der europäischen Gesellschaft für Endodontologie (ESE) zur empfohlenen Vorgehensweise bei der Revitalisierung nekrotischer Zähne mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum gestossen.

Revit ESE.001

Laut der Veröffentlichung ist es das Ziel „entsprechend ausgebildeten Zahnärzten ein Behandlungsprotokoll einschließlich detaillierter Einzelheiten des Verfahrens zu liefern“. Die Aussagen basieren dabei auf aktuellen klinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie dem Know-how des Autoren.

Gemäss der aktuellen Empfehlungen haben wir daraufhin gestern bei dem 8-jährigen Johannes folgende erste Schritte durchgeführt:

Revit ESE.002

 

  1. Behandlungstermin:
  • Anlegen der Zugangskavität
  • Entfernung von losem oder nekrotischen Pulpagewebe mit geeigneten Endodontie-Instrumenten
  • Vermeidung mechanischer Bearbeitung der Wurzelkanalwände
  • Spülung mit 1,5-3 % Natriumhypochlorit (20 ml =5 min) bis 2 mm vor vitalem apikalem Gewebe (bevorzugt Spülkanüle mit seitlichem Ausgang)
  • Spülung mit steriler physiologischer Kochsalzlösung zur Minimierung der zytotoxischen Wirkung von Natriumhypochlorit auf vitales Gewebe  (5 ml)
  • Trocknung mit Papierspitzen
  • Spülung mit 17%iger EDTA-Lösung (20 ml)
  • Applikation einer medikamentösen Einlage:
    • Antibiotikamischung (Ciprofloxacin,Metronidazol (und ggf.Minocyclin)
      • Neuere Veröffentlichungen befürworten stattdessen die Anwendung von Calciumhydroxid
  • Temporärer Verschluss der Zugangskavität (in unserem Fall Cavit & Ketac Molar)

 

Der zweite Termin ist in zwei bis vier Wochen geplant. Über unser weiteres Procedere werde ich dann berichten…

Hier schon mal der Link zu dem vollständigen ESE-Artikel hier bzw. hier.

 

4 Gedanken zu „Vorgehen bei Revitalisierung – Statement der ESE (I)

  1. Das mit dem Calciumhydroxyd ist ja interessant. War es nicht so, daß die Amerikaner CaOH als kontraindiziert eingestuft haben, da es die apikalen Zellen zerstört?

  2. Stephane Simon hatte auf dem ESE-Kongress in Barcelona berichtet, daß Ca(OH)2 der Antibiose überlegen sei, weil es kaum möglich ist, diese sinnvoll und kontrolliert zu dosieren.
    @Christoph: Welches Medikament hast Du konkret verwendet?

    LG Bernard

      • Interessant finde ich, dass bei meinen 7 Fällen 6 mit AB sehr gut funktionierten und ein Fall bereits mit CaOH2 „unbehandelt“ erschien, der aber auch erfolgreich war. Und wenn man die AAE Empfehlung liest steht dort bei weiterhin bestehenden Symptomen nach CaOH2-Einlage auf AB- Mix zurückgegriffen werden soll. Wo ist dann der Grund , es zunächst mit CaOH2 zu versuchen. Antonis Chaniotis, dem einen oder anderen aus ROOTS bekannt, hat vergleichbare Fälle erfolgreich einzeitig behandelt! Scheint also auch zu gehen. Entscheidend wird die Desinfektion sein. Wie immer.

        LGJ

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