Das Mikroskop-Bias

von Ronald Wecker

Ich habe 1982 mit dem Zahnmedizinstudium begonnen und dieses 1987 abgeschlossen.  Hinsichtlich der Anzahl von Wurzelkanälen in oberen ersten Molaren gab es eigentlich nur  eine Aussage: Drei.

Nur wenige gaben an, Jemanden zu kennen, der gehört habe, es gäbe Leute, die Jemanden kennen, der schon einmal 4 Kanalsysteme vorgefunden hätte.

Nach vielen Jahren des Arbeitens unter dem Dentalmikroskop hat sich diese Aussage in das komplette Gegenteil verwandelt. Es grenzt schon an Voreingenommenheit, aber in einem oberen ersten Molaren erwarte ich beinahe immer mindestens vier Kanalsysteme.

Der MB2 ist gewissermassen schon Standard. Mitunter verbirgt er sich in einem weit nach apikal reichenden Isthmus und zweigt erst sehr weit apikal mit einem separaten Kanalverlauf ab.

Umso größer sind die inneren Zweifel, wenn, wie in vorliegendem Fall, nach Berücksichtigung aller Befunde (klinisch nach ultraschallunterstützter Präparation kein noch so kleiner Hinweis auf ein Kanalorifizium, mit vorgebogenen Handinstrumenten keine Aufgabelung im Kanalverlauf tastbar, kein „Wandern“ der Wurzelfüllung in exzentrischen Röntgenbildern, kein Einpressen von Sealer nach der warmen Kompaktion) kein MB2 zu lokalisieren ist.

 

5 Gedanken zu „Das Mikroskop-Bias

  1. In solchen Fällen fängt man manchmal unbewusst an, an seinen Fähigkeiten zu zweifeln, besonders wenn man vorher noch ganz stolz doch an der richtigen Position einen kleinen “ weißen Punkt“ gefunden hat, dem aber kein Instrument folgt oder er blind endet. In diesen Momenten liegt es dann an dem Erfahrungsschatz des Behandlers nicht weiter zu machen und einen MB2 bei der weiteren Suche „zu schaffen – dieser wird nicht glorreich „vierter Kanal“, sondern „erste Perforation genannt“. Schade wenn man es eigentlich nur gut meint und alles perfekt machen will.

  2. Guten Morgen,

    ich verstehe nur die Überschrift nicht?
    Korrekturfehler oder ein Anglizismus?

    Wünsche ein schönes Wochenende

  3. Wie sich die Zeiten ändern, da ist man ja fast schon versucht, ein DVT zu machen…
    Aber wie sagte damals Prof. Stellmach: Seltene Sachen sind selten!

    LG Bernard

    • Ronald hat tatsächlich kurz überlegt, ob er intraoperativ ein DVT erstellt. Was ihn abgehalten hat war, dass er klinisch mit allen Tricks keine hakelige Stelle tasten konnte, eine Aufgabelung nicht ansatzweise visualisiert werden konnte, die exzentrische Aufnahme keine „Wandern des Masterpoints zeigte und der Kanalinhalt des MB ab dem mittleren Drittel noch gut vaskularisiert gewesen war. Wenn etas übersehen wurde, ist, wenn man Prof. Wesselink folgt, der mögliche Nachteil nicht besonders groß, sofern aseptisch gearbeitet werden konnte.

      LGJ

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