Wenn das Ihr Zahn wäre…(2)

von Ostidald Wucker

Wir haben uns für den Versuchs zur Zahnerhaltung entschieden. Der Patient wollte diesen Erhaltungsversuch unbedingt. Um diesen Fall genau zu beurteilen, wie es in den Kommentaren zu lesen war, ist ein DVT notwendig. Dieses wurde von uns angefertigt.

Hier die Abstimmung bei 149 Teilnehmern.

Bildschirmfoto 2016-05-09 um 10.51.32

Folgendes therapeutisches Vorgehen hatten wir besprochen:
Aufgrund der entzündungsfreien, auch im DVT erkennbaren apikalen Situation, soll die Wurzelfüllung revidiert werden und das Lentulofragment entfernt werden . Die retrograde apikale Füllung soll belassen werden.
Wenn eine Infraktur erkennbar ist, wird der Zahn nicht erhalten.

Die Therapie wurde unter diesen Maßgaben begonnen. Alte Füllungs- und Zementreste  wurden entfernt und der Zahn präendodontisch adhäsiv aufgebaut.
Bei der Entfernung des Wurzelfüllmaterials wurde der Lentulo dargestellt. Das Wurzelfüllmaterial zeigte durch seine Verfärbung und einen entsprechenden Geruch, daß eine Infektion vorhanden war. Die Entfernung des Lentulos gelang nicht vollständig, da dieser in der retrograden Amalgamfüllung verankert war. Das war auf den Ausgangsröntgenbildern (mit etwas Fantasie) bereits erkennbar.
Damit war der  o.g. Plan hinfällig und es musste auch das retrograde Wurzelfüllmaterial entfernt werden. Das waren ca. 3mm Amalgam in fast jede Richtung.
Die Entfernung des Amalgams gelang nahezu vollständig in 1,5 h. Mittels Ultraschall und Wasserkühlung wurde zunächst intrakanlär die Dicke verringert. Danach wurden die Rest geteilt und orthograd entfernt.

Nach einer CaOH Einlage wurde mit Kollagen ein Widerlager erstellt und der Neoapex mit ProRoot MTA verschlossen. Wir haben einen Glasfaserstift inseriert und den Zahn abschließend mit einer provisorischen Krone versorgt. Die definitive prothetische Therapie haben wir zeitnah angeraten. Die chirurgische Kronenverlängerung haben wir angeraten, diese ist aber am Einzelzahn wie in diesem Fall nicht einfach.
Der Patient, ein Kollege, hat sich für eine Kronenversorgung ohne circumferentes Ferrule bei seinem HZA entschlossen. Die kritische prothetische Prognose wollte er in Kauf nehmen.







 

5 Gedanken zu „Wenn das Ihr Zahn wäre…(2)

  1. Guten Morgen, was sprach denn eigentlich gegen (Magnet-)Extrusion und was für chirurgische Kronenverlängerung? Und warum wollte er weder das ein noch das andere? Das schränkt doch die Prognose wirklich deutlich ein.

    • Hallo Herr Köppe,
      der Patient lehnt diese Behandlung ab. Also ist eine Diskussion darüber unsinnig. Es ist seine Entscheidung, er trägt die finanziellen und gesundheitlichen Konsequenzen und ist über das Optimum informiert.
      herzliche Grüße
      Olaf Löffler

  2. Ich ziehe den Hut vor so viel Geduld und Geschick, Respekt!
    Ultraschall heißt: Endosonore 25?
    Ich habe in einem ähnlichen Fall mit ca. 4,5 mm Amalgam nach einer Stunde, div. verschlissenen Endosonore-Feilen und immer noch 3mm Restamalgam irgendwann kapituliert und den Patienten über die evtl. erforderliche WSR informiert.
    Hoffentlich rechtfertigt die Prothetik in diesem Fall Deinen Einsatz…

    Herzliche Grüße

    Bernard

    • Ostidald verwendet die NSK Feilen für den Endochuck. Diese wurden hier in der ISO 25 eingesetzt. Die Spitze wurde für die Amalgamentfernung verifiziert, d.h. scharfkantig gestaltet.
      Herzliche Grüße
      O.

  3. Großer Respekt vor der gezeigten endodontischen Kunst, da muß es ein besonderes Gedulds-Gen geben. Die prothetische Prognose ist bei der beschriebenen vorgesehenen Versorgung allerdings infaust.

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