Leica M320, das Zweite

von Wieland Kärger

Irgendwann im Jahre 2009 oder 2010 habe ich mich dazu entschieden, die Endo nicht nur zu einem beliebten Teil meiner zahnärztlichen Tätigkeit anzusehen, sondern ihr intensivere Aufmerksamkeit zu schenken. Inzwischen füllen die Wurzelkanäle meinen Arbeitstag quasi komplett aus. Schnell reichte damals die Lupenbrille nicht mehr aus und ein Mikroskop musste her. Aus verschiedenen Gründen entschied ich mich für das Leica M320, was im Juni 2011 in der Praxis Einzug hielt.

Seitdem habe ich über 1700 Wurzelkanalbehandlungen konsequent mit diesem Mikroskop durchgeführt. Bei geschätzter durchschnittlicher Behandlungsdauer von 2,5 h pro Zahn, sind das 4250 h „arbeitendes Mikroskop“ oder 177 Tage ununterbrochen Mikroskop „an“. Reparatur oder Wartungskosten bisher genau Null €. Damalige Investition: unter 20 T€.

Nun ging es an die Einrichtung eines zweiten Endozimmers mit der zentralen Frage: was für ein Mikroskop. Ja, ich habe mich wieder für das Leica entschieden. Mit einigen mehr oder weniger guten bzw. nützlichen Neuerungen oder Veränderungen. Ja, und ich habe es getan, ohne mir zur Probe mal ein PROergo o.ä. hinstellen zu lassen. Vielleicht ein Fehler? Ich war mit dem Leica bisher zufrieden (bis auf die Fotos – dazu gleich), eventuell aber nur aus Mangel am Vergleich. Denn was man auf der Messe oder auf einer Tagung durch ein Ausstellungsstück anschauen kann, ist recht weit von der Realität im Patientenmund entfernt, da sind sich sicher alle einig. Großes Manko am Leica ist die Kameratechnik. Fest eingebaut, nicht austauschbar oder „pimpbar“, ein K.-o.-Kriterium für alle Fotofreaks. Da ich keine Vorträge halte und meine Bilder auf großen Leinwänden präsentieren muss, ist die Qualität für mich akzeptabel. Jemand, der mit einem Bildbearbeitungsprogramm versiert umgehen kann, ist sicher in der Lage, durch das Darüberjagen diverser Filter noch einiges herauszukitzeln. Ich beschränke mich lediglich auf das Ränderbeschneiden und einen automatischen Optmierungsfilter. Unschlagbar ist aus meiner Sicht jedoch der Vorteil, dass man einfach ein HDMI-Kabel zwischen Mikroskop und Mitbetrachtungsmonitor hängt (ggf. noch einen Splitter) und fertig. Keine Einstellung des Bildausschnittes nötig, keine zusätzliche Kamera, kein Adapter, kein zusätzliches Kabel. Das zweite Ausschlusskriterium für viele Kollegen ist das Licht. LED bringt sicher nicht so viel wie Xenon, vor allem im apikalen Kanaldrittel. Hier knipst bei Xenon doch noch mal jemand das Licht da unten an, wo es bei LED bei großer Vergrößerung recht finster bleibt. Jeder Xenonnutzer weiß jedoch, dass eine Xenonlampe irgendwann kaputt geht und dann recht teuer ersetzt werden muss. Und Xenon nimmt im Laufe der Zeit an Intensität ab, was man als Nutzer schlecht oder spät bemerkt, wenn nicht regelmäßige Messungen durchgeführt werden.

Ich war gespannt, ob das neue Mikroskop, das vor 3 Wochen installiert wurde, die Kanäle heller ausleuchtet als das alte.

Das konnte ich, zumindest rein subjektiv, nicht feststellen.
Was ist sonst neu? Das „MultiFoc Objektiv“. Es ermöglicht einen größeren Focusbereich, der über einen Drehknopf am Objektiv zu justieren ist (so wie bei Zeiss). Bei ca. 8-facher Vergrößerung beträgt der Focusbereich 10 cm. Das alte Objektiv bietet bei gleicher Vergrößerung lediglich 1,5 cm Focusbereich, ließ sich aber durch leichtgängiges Drehen am gesamten Objektiv mit lediglich einem Finger der linken oder rechten Hand sehr komfortabel bedienen. Das geht jetzt nicht mehr. Ich brauche mindestens zwei Finger und der Drehknopf liegt auf der Seite der meist bevorzugten Hand oder mittig, wo man mit beiden Händen ungünstig hin kommt. Neu, zumindest für mich, ist ist der 0-180° Binokulartubus, der es ermöglicht die Okulare im Verhältnis zum Mikroskopkörper/Objektiv in transversaler Achse um 180° zu rotieren. Bisher hatte ich 45° und habe eigentlich nichts vermisst.

Weiterhin gibt es jetzt den sog. „ErgoOptic Dent“ zur geraden Ausrichtung der Okulare bei schrägem Betrachtunswinkel (bei Zeiss: MORA Interface). Für diejenigen, die z.B. UK-Molaren aus 9- bis 11-Uhr-Position behandeln essentiell. Ich behandle 100% der Kanäle von 12-Uhr-Position, daher nutze ich das nur bei UK-Molaren, die nach lingual gekippt sind. Schulter, Rücken und Nacken danken es.

Fazit
Für mich ein schönes Gerät mit unschlagbarem Vorteil im Preis-Leistungs-Verhältnis.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s