Partielle Pulpanekrose

von Ronald Wecker

Der Patient beschrieb im Rahmen der Erstuntersuchung ein Beschwerdebild, wie es sowohl zu einer Pulpanekrose als auch zu einer irreversiblen Pulpitis gepasst hätte. Zudem präsentierte sich über der mesiobukkalen Wurzel eine aktive Fistelung aus der sich putrides Exsudat entleerte.

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Die vorhandene Füllung wies distal einen deutlichen Randspalt auf. Nach präendodontischem Aufbau konnten zunächst vier Kanalsysteme dargestellt werden.. Zwischen MB und ML verlief jedoch ein schmaler Isthmus der sich bis auf einen kleinen hellen Punkt mittels Munce-Bohrern entfernen ließ. Die Sondierung dieses kleinen hellen Punktes (eingepresste Dentinspäne) zeigte, dass hier ein weiteres, sehr enges Kanalsystem vorhanden war.

Nach initialer Aufbereitung und intensiver schallunterstützter Spülung konnte ein Austausch der Spülflüssigkeiten zwischen ML und MM und zwischen DB und DL beobachtet werden.

Nach Einlage von CaOH2 war die Fistelung zwei Wochen später abgeheilt. Nach erneuter chemo-mechanischer Aufbereitung wurden die fünf Kanalsysteme in modifizierter Schildertechnik obturiert und der Zahn dentinadhäsiv verschlossen.

Spannend, dass die Nekrose von mesial ihren Ausgang nahm und der distale Kanalanteil deutlich vitales Gewebe enthielt, obwohl die Füllung distal undicht war.

Wurzelkaries intrakanalär

von Ostidald Wucker

Im heutigen Fall mussten wir uns nach der Kronen und Stiftentfernung gegen einen Zahnerhalt entscheiden. Dies kann bei Inspektion des Wurzelkanals, bzw. der Kavität unter mikroskopischer Kontrolle passieren. Meist sind Frakturlinien im Kavitätenboden oder im Wurzelkanal die Ursache.

Für uns überraschend, und deshalb auch Grund den Fall hier vorzustellen, war die Karies apikal-lateral der inserierten Radixanker ohne sichtbare Verbindung der kariösen Läsion zur Kavität.
Die Kariesentfernung gelang dank der mikroskopischen Vergrößerung. Allerdings waren die verbliebenen Wurzelanteile so dünn, daß das parodontale Ligament zu sehen war.

Damit war ein weiterer Zahnerhalt nicht möglich.

Anbei die Bilder des Falles.

 

„Erst hatte er kein Glück…

und dann kam auch noch Pech dazu. „

Von Bonald Decker

Dieses leicht modifizierte Zitat des einstigen Fußballprofis Jürgen „Kobra“ Wegmann kam mir sofort in den Sinn, als ich den nachfolgenden Patienten mit seiner persönlichen „Zahngeschichte“ erstmals bei uns in der Praxis traf.

Zur Vorgeschichte:

Bei dem Anfang vierzig jährigen Patient war bereits vor längerer Zeit vom Hauszahnarzt an Zahn 26 eine asymptomatische apikale Parodontitis bei Zustand nach endodontischer Behandlung diagnostiziert worden.

Kobra Wegmann.001

Als Therapie der Wahl wurde eine Wurzelspitzenresektion angesehen. Für diesen Eingriff erfolgte die Zuweisung an einen sehr versierten Oralchirurgen, der den Eingriff vor Kurzem in Lokalanästhesie durchführte. Alle drei Radices wurden mittels bukkalen Zugang reseziert und nach minimalinvasiver retrograder Präparation mit einer MTA-Füllung verschlossen.

Hier das nachfolgend angefertigte Kontrollröntgenbild des Chirurgen:

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Mit sehr grossem Entsetzen mussten alle Beteiligten feststellen, dass fälschlicherweise Zahn 16 statt 26 operiert worden war. Dem Oralchirurgen war der Fehler unerklärlich und (quasi) unverzeihlich. Auf eine finanzielle „Regelung“ des Schadens durch seine Berufshaftpflichtversicherung wollte er nicht warten bzw. vertrauen und sicherte dem Patienten seine persönliche Haftung zu.

Nach dem ersten „Schock“ entschied sich der Patient für zahnerhaltende Massnahmen an dem ersten oberen rechten Molaren. Die nunmehr notwendige endodontische Behandlung sollte daraufhin bei uns durchgeführt werden. Diese gestaltete sich ohne grosse Besonderheiten.

Intrakoronal fielen besonders eine bukkal und palatinale Infraktur sowie ein ausgeprägter Dentikel  auf.

Intrakanalär erhärtete sich der präoperative Verdacht eines unvollständigen Randschlusses der retrograden Füllung palatinal.

Anbei einige Impressionen der Behandlung.

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Klinische Impression während der endodontischen Behandlung von Zahn 16. Nach Entfernung des alten Füllungsmaterials und der Sekundärkaries imponierten zwei Infrakturen bukkal und palatinal (Pfeil)

Die endodontische Behandlung erfolgte aber ansonsten nach dem auf WURZELSPITZE wiederholt vorgestellten Bonald-Decker-Protokoll.

Hier unsere Abschlussaufnahme:

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Es ist zu hoffen, dass dem Patienten zukünftig eine weitere derartige Pechsträhne  erspart bleibt…

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Prä- und postoperative Situation 

P.S.: Um nicht noch mehr „unnötige“ Zahnhartsubstanz zu opfern habe ich (u.a.aufgrund der Infrakturen) eine Endo-Teilkrone als weitere prothetische Versorgung empfohlen…

Dentalfotos mit dem Iphone – ein neuer Kandidat

von Hans – Willi Herrmann

 

Das ist eigentlich nicht mein Thema.
Normalerweise ist dentale Fotografie mit dem Iphone das Steckenpferd von Christian Danzl.
Aber das soeben vorgestellte neue Ergänzungsset zu Iphone 6 und 6S sieht nun mal so interessant aus, dass ich hier bei WURZELSPITZE vorstellen möchte.

Es ist von der Hong Konger Firma Meike.

Es hat den etwas sperrigen Namen MK-H65 PRO und was es für mich interessant macht ist ein in das Iphone- Case integrierbares LED- Ringlicht MK-H16, dass über die Makrolinse geschwenkt werden kann. Damit wird es für mich interessant zur QM- Dokumentation von Arbeitsabläufen in der Praxis.
Die Smartphone-Fotografie ist nunmal für unsere Mitarbeiter als Digital Natives etwas, was mit der Muttermilch aufgesaugt wurde und damit keiner Erklärung bedarf.
Einfach losknipsen.
Los gehts.

Produktfotos auf der Homepage des Herstellers findet sich hier.

Und in diesem Youtube- Video gibt es einen Überblick über Ausstattung und Anwendung des Meike MK-H6S PRO Iphone Cases.

Shit Happens (3)

Bei dem Fall, über den ich heute berichte, lief zwischenzeitlich einiges nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Patient gab Beschwerden regio 47 an. Der Zahn war mit einer Krone als Brückenfeiler versorgt. Klinisch zeigte sich eine erhöhte vertikale und horizontale Perkussionsempfindlichkeit bei normaler Sondierungstiefe.

 

präoperatives Röntgenbild

Nach Trepanation konnten zwei mesiale und ein sehr ovaler, distaler Kanal dargestellt werden. Zusätzlich zeigte sich zwischen dem distalen und dem mesio-bukkalen Kanal ein Isthmus in Form eines C-Shape.

Nach Entfernung des Obturationsmaterials wurde der Isthmus mittels Ultraschall (Endosonorfeilen) sukzessive entfernt.

Anschließend erfolgte eine medizinische Zwischeneinlage mit Ca(OH)2 und der adhäsive Verschluss mit Komposit. Beim zweiten Termin wollte ich den mesialen Isthmus aufbereiten und die Wurzelfüllung durchführen. Für die Entfernung des mesialen Dentinüberhangs nahm ich bis zu diesem Fall meistens die EndoGuides von SS White (in diesem Fall EG 1).

Dabei kam es zur Fraktur des EG 1. Das Bruchstück wurde dann unter dem OPMI mittels Absaugung entfernt und eine Masterpointaufnahme angefertigt. Ich traute meinen Augen nicht was ich da sah!

Der EG war zweimal zerbrochen, eins hatte ich entfernt und das andere war unbemerkt in den distalen Kanal gelangt und wurde dann durch meinen Masterpoint über den Apex geschoben…Mist. Nach ca. 30min Eisatz von Endosonorfeile und Micro-Debrider konnte ich das Bruchstück entfernen.

Zur Sicherheit wurde ein Rö-Kontrollbild angefertigt.

Anschließend erfolgte die Wurzelfüllung des distalen Kanals mit MTA und Kollagenwiederlager.

Mesial und auch der Isthmusbereich wurden mit Guttapercha und AH26 gefüllt.

Ab jetzt schaue ich bei jeder Fraktur noch genauerer hin ob alles entfernt ist…denn das Instrument kann auch mehrmals frakturieren.

Tücke des Details

von Ronald Wecker

Fragt man im Kollegenkreis herum, so gelten endodontische Behandlungen an oberen mittleren Schneidezähnen  als „No-Brainer“. Gerader Kanalverlauf, weite Kanäle und guter Zugang.

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Gründe für einen nicht erfolgreichen Verlauf gibt es jedoch offensichtlich viele.

In vorliegendem Behandlungsfall erfolgte nach der alio loco durchgeführten Erstbehandlung zwar eine Reduktion der massiven Beschwerden. Zahn 21 blieb jedoch weiterhin deutlich perkussions- und palpationsempfindlich.

Das präoperativ angefertigte Einzelbild liess eine schwach radioopak wirkende medikamentöse Einlage vermuten. Die apikalen 4 mm schienen wenig Bearbeitungsspuren aufzuweisen. Der erkennbar aufbereitete Kanalanteil endete abrupt.

Die Patientin berichtete darüber, dass die Längenmessung endometrisch erfolgt war; aus der überweisenden Praxis wurde mitgeteilt, dass die initiale Aufbereitung bis ISO 40 durchgeführt wurde.

Nach teilweiser Entfernung der Verschlussfüllung fiel sofort das kontaminierte Pulpakavum auf. Zudem versperrte ein palatinal gelegener Dentinüberhang den Blick nach apikal. Nach Optimieren der Zugangskavität konnte im unteren Drittel eine iatrogene Stufe an der labilen Kanalwand visualisiert werden. Die apikal davon gelegenen ca. 4 mm Kanalanteil enthielten putride zerfallene Gewebereste.

Der Überhang lenkt das eingeführte, vermutlich nicht vorgebogene, Handinstrument nach labial ab. Die Stufe wird präpariert. Die Endometrie kann bei weiten Foramina mit putrider Exsudation falsch positive Ergebnisse zeigen. Eine Messaufnahme hilft, diese Fehlerquelle auszumerzen. Eine offensichtlich nicht volumenstabile medikamentöse Einlage ermöglicht die Rekontamination bereits desinfizierter Kanalanteile.

Einfache Zähne gibt es offensichtlich doch nicht.

 

Persistierende Schmerzen nach Wurzelkanalbehandlung

von Ostidald Wucker

In dem heutigen Fall reiße ich ein Thema an, welches zunehmend in unserer Praxis auftritt.

Patienten mit chronischen Beschwerden nach mehrfacher endodontischer Therapie innerhalb eines Zeitraumes von 9-24 Monaten. In diesem Zeitraum ist der Zahn nie, oder nur dann zur Ruhe gekommen, wenn dieser offen blieb.

Die Ausgangssituation war meistens eine Primärbehandlung mit Pulpanekrose oder akuten irreversiblen Pulpitis. Die Wurzelfüllung erfolgte trotz noch vorhandener Beschwerden. Die Revision und erneute Aufbereitung waren die Folge.
Als Ergebnis sind extrem weit aufbereitete Wurzelkanäle mit deutlich überinstrumentierten apikalen Foramen, teilweise auch verlagert zu sehen. Kofferdam wurde nie verwendet.
Die Spülung mit Natriumhypochlorit erfolgte nach Anamnese und Recherche selten bis gar nicht. Nekrotische Gewebereste sind häufig vorzufinden. Röntgneologisch zeigte sich periapikal meist ein mehr oder weniger verbreiterter PA- Spalt.
Auffällig ist häufig die suboptimale Zugangspräparation und Kanaleingangsdarstellung.

Unsere Therapie beinhaltete die Spülung mit Natriumhypochlorit, Zitronensäure und abschließend Alkohol und den Einsatz der SAF und US. (In einigen seltenen Fällen (2) mit weiterhin rezidivierenden Beschwerden haben wir Ledermix bis zum apikalen Foramen gebracht und nach 1 Woche entfernt. Die Obturation erfolgte thermisch vertikal mit Guttapercha und AH plus als Sealer.
( In dem heutigen Fall wurde die apikal überinstrumentierten Foramen mit ProRoot MTA gefüllt. Danach erfolgte eine thermische Obturation mit Guttapercha und und AH plus als Sealer.)

Die Beschwerden der Patienten haben nach 3-4 Tagen nach der Erstbehandlung nachgelassen. Zum Zeitpunkt der Wurzelfüllung sind die Patienten beschwerdefrei.

Anbei einige klinischen Bilder und Röntgenaufnahmen: