ECIR-von Innen

Von Bonald Decker

Heute würde ich Ihnen gerne einen Fall zur Diskussion vorstellen. Bei der Patientin handelt es sich um eine 40-jährige Mutter, die sich mit dem Hauptbeschwerdebild einer leichten Schwellung der lingualen Gingiva in Region 31 vorstellte. Klinisch imponierte schlicht eine moderate Schwellung lingual mit leichter Blutung auf Sondierung dieser Region.

Das mitgelieferte Röntgenbild liess mich die Diagnose einer externen invasiven zervikalen Resorption stellen.

Prä-operative Röntgenaufnahme des Zahnes 31  mit dem Verdacht einer externen invasiven zervikalen Resorption

Prä-operative Röntgenaufnahme des Zahnes 31 mit dem Verdacht einer externen invasiven zervikalen Resorption

Die angefertigte DVT-Aufnahme bestätigte meine Diagnose und verdeutlicht die ungünstige approximale Lage der Resorption.

DVT der Unterkiefer-Region mit der radiologischen Diagnose einer externen Invasion zervikalen Resorption

DVT der Unterkiefer-Region mit der radiologischen Diagnose einer externen invasiven zervikalen Resorption

ECIR intern.003

Aufgrund dieser ungünstigen Position habe ich mich daher für den Versuch eines intrakanalären “Managements” der Resorption entschieden. Auch, weil sich die Sensibilität dieses Zahnes als stark reduziert zeigte.

Dies bestätigte sich intrakanalär mit (teil)nekrotischem Pulpagewebe

Intrakanaläre Ansicht

Intrakanaläre Ansicht

Die weitere Behandlung erfolgte in der “üblichen” Weise. Zu diesem Termin gelang es nicht die Resorptionslakunen intrakanalär zu identifizieren. Die endometrischen Längenmessungen liessen sich problemlos durchführen.

Masterpoint-Röntgenaufnahme

Masterpoint-Röntgenaufnahme

Erst beim zweiten Termin konnten die Resorptionslakunen identifiziert werden.

Resorptionslakunen intrakanalär

Resorptionslakunen intrakanalär

Diese wurden mechanisch und chemisch (u.a. mit Eisen-(III)-Sulfat) “behandelt”. Die Obturation der Kanalsysteme erfolgte schliesslich mit Guttapercha und Sealer.

Post-operative Röntgenaufnahme

Post-operative Röntgenaufnahme

Bei der Betrachtung der Aufnahmen frage ich mich, ob mein Vorgehen tatsächlich “richtig” gewählt war.

War das Vorgehen ggf. zu invasiv und ich habe so eine “Sollbruchstelle” geschaffen bzw. verstärkt? Wie ist wohl die Prognose des Zahnes einzuschätzen.

Wie sehen Sie diesen Fall und mein gewähltes Vorgehen?

Zahn 27- Interne Resorption, apikale Aufhellung

Von Donald Becker

Die 48 jährige Patientin kam Anfang Oktober 2013 auf Überweisung des Hauszahnarztes in unsere Praxis. Der Zahn 27 hatte 2011 starke Schmerzen verursacht, nach Eingliederung einer Schlafschiene verschwanden die Beschwerden und tauchten erst im Juni 2013 wieder auf. Nach initialer Wurzelkanalbehandlung durch den Hauszahnarzt  (Pusentleerung, daraufhin Antibiotikagabe)  deutliche Besserung, allerdings war der Zahn auf Druck noch weiter empfindlich.

Der Zahn 27 sah klinisch und im Zahnfilm unauffällig aus.
Umso überraschender dann im DVT vor Behandlungsbeginn die ausgeprägte weit apikal gelegene  interne Resorption an der palatinalen Wurzel. Hier hilft dann auch das Mikroskop wenig, zumindest wenn es darum ginge, die wahren Ausmaße der kurz vor Wurzelkanalende gelegenen Aussackung zu erkennen. Gut vorstellbar, das hier eine Warme Guttapercha- Fülltechnik eine massive Überpressung produziert hätte. Die Killer – Kombination: Apikal weit offenes Foramen und ausgedehnte Knochendestruktion periapikal.

Mit dem Wissen um die apikale Besonderheit wurde in unserer Praxis am 08.10.2013 nach dentinadhäsiv verankerter Komposit- Restauration die Wurzelkanalbehandlung durchgeführt. Am 08.01. 2014 wurde die Behandlung fortgeführt. Am 20.01.2014 erfolgte der apikale Verschluss der palatinalen Wurzel mittels MTA + Kollagenbarriere), am Tag danach, nachdem die Aushärtung des MTA´s überprüft werden konnte, der Verschluss aller Wurzelkanäle mit warmer Guttapercha und Kerr Pulp Canal Sealer XWT. Im weiteren Verlauf zeigte sich im Rahmen der Recalls der Zahn unauffällig. Die Kontrolle im Juni 2015 zeigt  apikal eine knöcherne Konsolidierung bei zunehmender Resorption des periapikal gelegenen Calciumhydroxid- und Sealermaterials.

Zeitnahme – Teil 2

von Christian Danzl

Hier habe ich schon zum Thema Zeiterfassung geschrieben.
Habe nach einigen Recherchen den Auftrag an meinen Systemadministrator übergeben, mit der Bitte, sie sollen sich was einfallen lassen.

Fündig wurde er bei Chipdrive:
Terminal C2 Fingerprint

Ein ähnliches Gerät, wie ich bereits zum testen hatte (RW-16 2,4″ TFT):

Stand alone, zeichnet die Uhrzeiten im Gerät auf, ist über Netzwerk Rechner angeschlossen, die Daten sind bei Bedarf auf die Software übertragbar.
Fingerabdruckscanner.

Hörte sich gut an, also bestellt.

Nach dem Urlaub wieder in der Praxis war das Gerät betriebsbereit.
Also fast.

  1. Der qualitative Eindruck war sehr ähnlich dem RW-16 2,4″ TFT, also eher einfach.
  2. Der Installationsaufwand ist mit gut 6 Stunden auch in dem Bereich, den ich bei dem  RW-16 2,4″ TFT erwartet habe, und war für den IT-Mann ohne Hotline nicht zu schaffen.
  3. Die Bedienung/Zuordnung der MA über Fingerabdruck funktioniert so gut wie nicht, so dass RFID-Chips nachbestellt werden mussten (5 Stück waren dabei).
  4. Software macht vorerst einen gar nicht so schlechten Eindruck

Ich gehe davon aus (hoffe), dass sich der Preis des Gerätes über die Software rechtfertig.

Wir werden sehen, wie es läuft und werde berichten.

20150618-ZM10346 20150623-ZM10347

Schwarzes Gold …

von Ronald Wecker

… so nennen Studienkollegen meines Praxispartners ein paraformaldehydhaltiges Devitalisierungsmittel.

Weil es die klinischen Symptomatik einer akuten irreversiblen Pulpitis vorhersagbar beseitigt. Und das ohne endodontische Therapie.

Oder wie es in der Werbung lautet: Lege artis angewendet erleichtert …  die Behandlung und die Einhaltung der Termine.

Wie es ausgehen kann, wenn ein Devitalisierungsmittel auf einen suboptimalen temporären Verschluss trifft, zeigt das Beispiel dieser 13-jährigen Patientin.

16 26 D.001

Die Zähne 16 und 26 wurden “notfallmässig” versorgt, wobei sich die Frage aufdrängt, ob der Notfall erst nach der offensichtlich ungenügend durchgeführten Ausführung der Erst-“Therapie” ausgerufen werden muss.

16 26 D.002 16 26 D.003

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Eltern und behandelnde Person ein gutes freundschaftliches Verhältnis pflegen. Da stellt sich bei mir spontanes Kopfschütteln ein.

Manchmal…

von Ostidald Wucker

Manchmal kommen merkwürdige Dinge in der täglichen Praxis vor.
Hier ein Fall von eienem Patienten, welcher sich in unserer Praxis vorstellte und steif und fest behauptet einen zweikanaligen Frontzahn zu haben.

Der Zahn zeigte sich klinisch mit einer gelbgräulichen Verfärbung, ohne Lockerungsgrade und ohne Perkussionsschmerz. Die Sondierungstiefen waren in der 6-Punktmessung unter 3mm. Das angefertigte Röntgenbild zeigte eine ungewöhnliche Wurzelfüllung. Auf Grund der Verfärbung und der großen insuffizienten Füllungen wünscht der Patient eine prothetische Therapie mit einer Krone. Die Krone wiederum wollte der Hauszahnarzt nicht mit diesem Befund planen.

Meinen Verdacht einer apikalen Entzündung in Folge einer iatrogenen oder resorptiven Problematik wischte der Patient beiseite und sagt der damals behandelnde Kollege hat die zwei Kanäle erkannt und erfolgreich behandelt. Er ist seitdem völlig schmerzfrei.
Das zweikanälige obere Inzisivi nicht wirklich in der Literatur auftauchen ließ er ebenso wenig gelten. Dann ist dieser Zahn eben der erste “Präzedenzfall”.
Wir haben dem Patienten die Lösung des Falles vorgeschlagen: Anfertigung eines DVT und nach entsprechender Diagnostik die erforderliche Therapie beginnen.

Wie interpretieren Sie das Bild?

R4R2

 

Die nächste Welle (II) – Update

Von Bonald Decker

Heute also ein kurzes Update  hinsichtlich des Behandlungsabschlusses des hier vor einiger Zeit vorgestellten Falles.

Post-op Aufnahme nach Perforationsdeckung und Wurzelkanalfüllung

Post-op Aufnahme nach Perforationsdeckung und Wurzelkanalfüllung

Es ist sehr erfreulich zu sehen, wie positiv die apikale Osteolyse auf die endodontischen Behandlungsmaßnahmen anspricht…

prä-op (alio loco) vs post-op

prä-op (alio loco) vs post-op

Zahn 21 – Recall nach 6 Monaten

von Donald Becker

Der Fall wurde Ende letzen Jahres hier vorgestellt.

Er passt gut zur hier angesprochenen Thematik.

Und zwar aus zweierlei Hinsicht.

Zum einen sind wir geneigt, einen Frontzahn wie diesen von der Aufbereitung her als einfach einzustufen. Dieser hier war es nicht. Zumindest nicht, wenn man versucht, den Zahn bis zum Wurzelkanalende hin zu bearbeiten. Es war extrem schwierig, über die (iatrogene?) Obliteration  hinaus zu kommen. Viel viel schwieriger als oben benannter “Sonntagsfall”, der gemeinhin von der Aufbereitung her (dem Röntgenbild nach beurteilt) als ausgesprochen schwierig angesehen wird.

Genau anders rum verhält es sich, wenn es um das Erscheinungsbild der WF geht.
Man freut sich über die gefüllten Seitenkanäle, auch wenn niemand sicher sagen kann, dass deren Füllungsgrad per se eine Voraussetzung für die Heilung darstellt. Über den Kompositaufbau, der vermutlich ein Vielfaches mehr über Erfolg oder Mißerfolg entscheidet, redet wiederum niemand. Ich freue mich jedenfalls, dass der Zahn, den meine Kollegin so ausgesprochen schön wie aufwändig wiederhergestellt hat (EKr, Kariesexkavation, Kompositiaufbau, Präparation für provisorische Krone, provisorische Krone chairside angefertigt, im Praixslabor veredelt, mit Rely X eingegliedert) nach wie vor  einwandfrei seinen Dienst tut. Die inzisal sichtbare leichte exogene Verfärbung zeigt sich auch im Unterkiefer auf den natürlichen Zähnen, ist also weniger materialbedingt als vielmehr einer verbesserungsfähigen Mundhygiene zuzuweisen. In dieser Hinsicht zeigen sich im Übrigen die Keramikverblendkronen als eindeutige Sieger. Allerdings nur, solange man nicht die Gingivaverhältnisse im Kronenrandbereich in die Wertung miteinbezieht. Der Patient soll im Juni 2016 zur erneuten Kontrolle erscheinen. Die Erneuerung der OK- Frontzahnrestaurationen habe ich ihm zum Abschied mit auf den Weg gegeben.