X-Bein/H-förmiger Isthmus/tiefer Split

von Ronald Wecker

Das Ausbleiben des Behandlungserfolges nach einer Wurzelspitzenresektion im Seitenzahnbereich kann viele Ursachen haben. Unter anderem zu nennen sind: unentdeckte Wurzelkanalanatomie, fehlender oder unzureichender retrograder Verschluss oder mangelnde Desinfektion.

Der nachfolgende Behandlungsfall vereinte alle diese Gründe in sich. R1 Auch nach der chirurgischen Intervention war die klinische Symptomatik nicht abgeklungen. Der Zahn 16 war perkussionsempfindlich, das vestibuläre Gewebe palpatorisch druckdolent und die ursprünglich abgeheilte Fistelung tauchte wieder auf.

Das präoperative Einzelbild zeigte nur 3 Wurzelfüllungen, nur einen retrograden Verschluss mesial, einen fehlenden retrograden Verschluss der distobukkalen Wurzel und eine zu kurze Wurzelfüllung in der palatinalen Wurzel. Neben einer scharf abgegrenzten Osteolyse um die palatinale Wurzelspitze, war auch die periapikale Region um DB und MB diffus aufgehellt.

Zur dreidimensionalen Lokalisation des retrograden Verschlusses wurde ein präoperatives DVT angefertigt. Dieses zeigte neben einer ausgeprägten Osteolyse um MB und DB und einer nicht mittenzentrierten Lage der WF in MB auch, dass der retrograde Verschluss das Foramen des MB2 nicht und das des MB1 nur teilweise abdeckt.

Nach Anlegen der Zugangskavität konnte ein zwischen MB1 und MB2 gelegener, feiner Isthmus dargestellt werden. Beim Entfernen der in MB1 vorhandenen Obturationsmassen zeigte sich, dass MB2 entgegen der ursprünglichen Vermutung nicht mit MB1 konfluierte, sondern in der Tiefe nach palatinal abzweigte.

Die Entfernung des nur zum Teil einsehbaren retrograden Verschlussmaterials in MB1 gelang mit einer auf einer Länge von ca. 1,5 mm rechtwinkelig vorgebogenen Endosonore-Feile. Die Obturation von P und MB2 wurde in warmer vertikaler Kompaktion, in MB1 und DB nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA durchgeführt.

Kofferdamabdichtung

von Olaf Löffler

Die Abdichtung des Kofferraums ist in einer endodontischen Behandlung nahezu immer notwendig. Dazu haben wir hier schon verschiedensten Materialien vorgestellt.

Nun möchte ich das Augenmerk auf ein neues Material legen. Seit einiger Zeit verwenden wir in meiner Praxis Clip Flow von Voco.
Clip Flow schließt dicht zum Zahn und Kofferraum ab, wenn diese trocken sind. Das Material lässt sich sehr sparsam applizieren. Zur Klammerfixierung ist es leider nicht geeignet.
Die Kosten liegen bei ca. 6€/g. Oraseal ( Ultracent ) liegt bei ca 5€/g. Kool Dam
( Pulpdent ) bei 5€/g. Das günstigste Material scheint Fastdam ( ContrastEurope ) zu sein. Da liegen die Kosten bei unter 3€/g. Wir werden dies demnächst testen.

Hier noch einige Bilder zur Clip Flow Anwendung.

Disclaimer: Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Vertrauensbildende Maßnahmen in der Endodontologie (IV)

Von Christoph Kaaden

Erinnern Sie sich noch an diesen Beitrag, in dem ich auf einen kleinen Trick hinwies, wie man eine palatinale Anästhesie für den Patienten schmerzfrei(er) gestallten kann?

Zu meiner Freude erhielt ich in diesem Zusammenhang gestern von einer Kollegin nachfolgende Mail:

“Hallo Herr Dr. Kaaden,

Augen zu

Augen auf

die Augen zu öffnen.

Diese kleine Bitte erstaunt die Patienten in der Regel in diesem Moment und resultiert in einer gewissen Ablenkung. Ferner ist der für den Menschen sehr wichtige Sinn des Sehens nicht “ausgeschaltet” und die Patienten konzentrieren sich unweigerlich nicht nur auf das in diesem Moment “Gefühlte” (= den ggf. spürbaren Pieks)…

Sollten Sie diesen kleinen Trick bisher nicht anwenden, so empfehle ich dies unbedingt.

Über Feedback mit Ihren Erfahrungen würde ich mich freuen.

Der Journal – Pate

von Hans – Willi Herrmann

IEJ-1Früher habe ich alles gelesen, was an Gedrucktem in die Praxis kam.

Die Werbung der Hersteller, alle Dentalzeitungen (seriöse und yellow press, aber wirklich alle). Und auch jede Zeitschrift, die wir in der Praxis auslegten.

Heute lese ich von all dem kaum noch was.
Da ich von klein an eine riesiger Lese- Fan war, erstaunt und entsetzt mich das ein Stück weit. Gut, der Stapel der werbefinanzierten Dentalzeitschriften ist mittlerweile so groß, dass ich kaum noch mit dem Entsorgen nachkomme, aber die Remission der Lesewut ist sogar an den “wichtigen” Journalen nicht spurlos vorübergegangen. Dies stelle ich vor allem beim JOE fest, das ich, seit ich es nicht mehr in Heftform, sondern nur noch in virtueller Form “besitze”, in der Regel erst lese, wenn ich irgendwo oder von irgendwem  den Hinweis auf einen bestimmten Artikel aufschnappe.

Und auch den  Artikel über Wurzelfüllungsmaterialien bei Milchzähnen “Biocompatibility of root filling pastes used in primary teeth” aus dem IEJ Mai 2015 hätte ich im Übrigen bestenfalls lediglich überflogen, wenn es nicht als Rezension im Rahmen dieses Artikels geschehen wäre.

Geht es Ihnen genauso ?
Wie sieht das bei Ihnen aus ?

Mein Vorschlag für einen Ausweg aus dem Dilemma: Wir bestimmen Journal- Paten.

Und das geht so: Der Journal- Pate liest zeitnah zum Veröffentlichungstermin einen bestimmten Artikel und gibt eine kurze Zusammenfassung der darin befindlichen Fakten.

Zusammenfassung bedeutet nicht das Abstract, dass könnte ja jeder von uns lesen, sondern vielmehr: Guter/schlechter Aritkel, Warum wertvoll ? Warum schlecht ? Gibt es eine Quintessenz für die Praxis, was kann ich mitnehmen für mich, relevante Textstellen.

Die Idee ist nicht neu – ein befreundeter Kollege berichtete mir, er habe dies früher schon  in seinem Qualitätszirkel vorgeschlagen, den Austausch von Fortbildungsmitschriften betreffend.

Die Resonanz – gleich null.

Das heißt – gelesen wurde seine Skripten schon gerne, aber mit dem Schreiben und Verteilen war das so eine Sache.

Es ist wie so oft – Der Spruch – “Geben ist seliger als Nehmen” bleibt auf die Bibel beschränkt, in der Realität regiert die Antithese- “Nehmen ist seliger als Geben”.

Ich möchte dennoch einen weiteren Versuch machen.
Unter folgenden Rahmenbedingungen: Erinnern Sie sich an meine Ankündigung zum Jahreswechsel, dem WURZELSPITZE- Blog eine interne Sektion anzugliedern. Der “Journal- Pate” ist ein erster Schritt. Und das geht wie folgt. Jeder WURZELSPITZE- Leser ist aufgerufen, einen Fachartikel zu rezensieren. Ich werde die Beiträge dann hier einstellen. Diese sind mit einem Passwort versehen, dass im Laufe des Jahres nicht nur für den eigenen Artikel, sondern auch für alle anderen Artikel gilt. So hat jeder Rezensent die Möglichkeit, alle Rezensionen zu lesen. “Nichtdazubeitrager” bleiben aussen vor. Wer nicht will, kann dann auch nicht. Zu Beginn des neues Jahres ändert sich das Passwort, eine neue Rezension sichert automatisch den Zugang für weitere 12 Monate.

Wenn möglichst viele mitmachen, bedeutet das, das wir mit wesentlich weniger Zeitaufwand an die wirklich praxisrelevanten Informationen gelangen können.

Wenn nicht – dann habe ich diesen Artikel und meine Rezension des Artikels
umsonst geschrieben. Spare aber zukünftig viel Zeit hier…

Saving hopeless teeth (35)

R1von Ostidald Wucker

Um es vorweg zu nehmen, hiermit fing eine ganze Serie von endodontischen Behandlungen an, ohne daß wir das damals erahnten.

Es begann vor einigen Jahren. Die Patientin kam mit akuten Beschwerden im Unterkiefer rechts. Der Zahn 45 wurde von uns im Rahmen einer Schmerztherapie notfallmäßig behandelt. Die Fortsetzung der Behandlung haben wir der Patientin unbedingt empfohlen und auf zu erwartende Kosten hingewiesen. Der Zahn 46 zeigte zusätzliche pathologische Befunde: Sekundärkaries, P. apicalis, Instrumentenfraktur mesial, VD interne Resorption distal.

Die Patientin war nach unserer Behandlung (präendodontischer Aufbau, Aufbereitung, Spülung mit NaOCl, CaOH Einlage) schmerzfrei. Das hielt genau 2 Jahre an.

Dann waren wieder Beschwerden vorhanden. Klinisch zeigte sich eine submuköser Abszess in der Regio 45/46. Die Palpation ließ eine recht deutliche Zuordnung zum Zahn 45 erkennen.

Die Zukunft für den 46 sahen wir jetzt sehr kritisch.  46 wurde zur Extraktion empfohlen und für den Zahn 45 haben wir Behandlungstermine vereinbart. Den zu erwartenden Erfolg haben wir mit 50-60% angegeben. Den Versuch wollte die Patientin jetzt trotz schlechterer Prognosen zum Erstbefund wagen.

Der präendodontische Aufbau am Zahn 45 war intakt das CaOH im Wurzelkanal war nur noch röntgenlogisch präsent. Nach einer weiteren Aufbereitung bis #90, NaOCl Spülung, PUI, und CaOH Einlage haben wir den Zahn apikal mit MTA ProRoot verschlossen. Die Patientin war kurz nach den Behandlungen schmerzfrei und in den anschließenden Recalls zeigte sich eine Optimierung der apikalen Situation am Zahn 45.