Revision nach Resektion

von Ronald Wecker

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Während die Revision bereits resizierter Seitenzähne noch vor einigen Jahren eher eine rare „Behandlungsaufgabe“ war, haben die Überweisungen derart vorbehandelter Zähne in letzter Zeit deutlich zugenommen.

Im vorliegenden Fall war erfreulich, dass die resizierten Wurzeln DB und MB retrograd gefüllt worden waren. Und auch das Vorhandensein eines MB2 wurde in Erwägung gezogen, wie der zweite retrograde Verschluss in der mesialen Wurzel zeigte.

Dennoch war die Behandlung nicht erfolgreich. 2 Jahre nach der Resektion trat eine bukkal gelegene Fistelung und einen palatinale Vorwölbung im Bereich des Apex der palatinalen Wurzel auf. Klinisch wies der Zahn keine erhöhten Sondierungstiefen auf, sodass eine Vertikalfraktur eher unwahrscheinlich erschien.

Nach Anlegen der Zugangskavität konnte zunächst das auf dem Pulpakammerboden gelegene Pulpakammerdach und die dazwischen befindlichen Gewebereste entfernt werde. MB2 war nicht aufbereitet. Nach der Entfernung der Guttapercha aus P entleerte sich spontan putrides Exsudat.

Anhand des präoperativ angefertigten DVT konnte die Lage der im Periapikalraum gelegenen Obturationsmassen, sowie die Lage der retrograden Füllungsmaterialien bestimmt werden. Dennoch gelang es in der ersten Behandlungssitzung nicht, alle retrograden Materialien vollständig zu entfernen. Über die Jahre bin ich davon abgekommen, das Glück erzwingen zu wollen und verlege derart „fummelige“ Tätigkeiten nach intensiver chemo-mechanischer Aufbereitung in die zweite Sitzung. Und ich fahre gut damit.

Mein Kopf ist freier, die Anzahl der zu nehmenden Hürden ist deutlich kleiner als beim ersten Termin und die Entfernung periapikal gelegener Fremdmaterialien gelingt in der Regel wesentlich geschmeidiger.

Während das 2D-Röntgenbild vor medikamentöser Einlage noch deutliche Reste von Obturationsmaterial in P zeigte, war das klinische Bild völlig anders. Nach distopalatinal hin war in P nur ein kleiner , gelber Materialkranz zu sehen.

Mittels vorgebogener Microopener und -debrider wurde jedoch im Anschluss ein erstaunlich großes und deutlich kontaminiertes Stück Sealer zu Tage gefördert. Die retrograden Massen unter MB und DB wurden mittels vorgebogener Endosonore-Feilen zerstäubt und dann herausgespült.

Da, wie erhofft, die bukkale Fistelung zu Beginn der zweiten Sitzung abgeheilt und die palatinale Vorwölbung abgeklungen war, erfolgte die Obturation nach bewährtem Standard:

Nach Anlegen eines kollagenen Widersachers unter MB1, DB und P kam MTA zum Einsatz. MB2 wurde, da sehr eng, in warmer vertikaler Kompakten obturiert.

Nun erwarte ich gespannt das erste radiologische Recall nach 6 Monaten.

Neupatientin mit Sammlung seltener Befunde

von Larn Beckof

Eine junge Frau von ursprünglich afrikanischer Herkunft , 28 J., kam
letzte Woche ohne Beschwerden zur Erstvorstellung. Es waren noch nie
Röntgenaufnahmen angefertigt worden. Vor 2 Jahren bestanden nach
Angaben der Patientin rechts oben Zahnfleischprobleme, die sich ohne
Behandlung zurückbildeten.

Beim ersten Blick in den Mund zeigten sich zwei sehr ähnliche aber doch
verschiedene ungewöhnliche Befunde, beim nachfolgenden Röntgen ein weiterer.

  1. Höckerähnliche Struktur vestibulär im Interdentalraum unmittelbar an
    und zwischen 15 und 16, bei forciertem Eindrängen eines Instrumentes
    minimal beweglich.

  2. Höckerähnliche Struktur vestibulär im Interdentalraum 17/18
    unmittelbar an 17 (cp und vital) bei forciertem Eindrängen eines
    Instrumentes (zwischen der Struktur und 18) unbeweglich.

  3. Im Knochen zwischen 34 und 35 Verschattung (6 mm Durchmesser) mit
    einer Röntgendichte wie Zahnsubstanz. Basal umgebend Verdacht auf
    zystische Aufhellung ca 2 cm, Kieferkamm und Schleimhaut o.B., keine Exostosen.

Frage: Welche Diagnosen würden Sie für die Befunde 1, 2, 3 stellen?
Welche weitere Diagnostik und welche Therapie würden Sie vorschlagen? –
Wie gesagt, ältere Aufnahmen liegen nicht vor.


Unsere Auflösung nach Stand der Dinge:

  1. Milchzahnrest, Extraktion

  2. Schmelzperle, Entfernung durch Abtrennen (Restauration der cp)

  3. Verdacht auf Zementom, Abklärung durch DVT

3 Haselnüsse (2)

von Donald Becker

Eine Schmerzpatientin.
Symptomatischer Zahn 45. Zustand nach WF.  Apikale Aufhellung.
Die vorhandene Stufe an 45 war ausgeprägt. Was spielerisch leicht aussieht im Endergebnis ist schwierige Arbeit und letztendlich das Resultat des stetigen Umgangs mit der Materie.

Im Anschluss an die endodontische Behandlung an Zahn 45 wurde die WF an Zahn 47 revidiert. Und dann zum Jahresende hin, noch ein unverhoffter Besuch, der Zahn 46, devital, machte Beschwerden. Die WF- Kontrolle an Zahn 46 zeigte als Nebenbefund die Ausheilung der ehemals vorhandenen apikalen Knochendestruktion an Zahn 45.

Ein Behandler, ein Patient, 3 Zähne – Ein schönes Beispiel für Konstanz und Reproduzierbarkeit in der Behandlung, unser höchstes Ziel.

3 Haselnüsse (1)

von Donald Becker

Ein Recall.

Einer der Fälle wo man nicht sicher ist, ob es gelänge, eine vollständige Ausheilung der apikalen Osteolyse zu erreichen, ist doch der periapikale Prozess schon mit deutlicher Entfernung von der Wurzel eventuell unseren Bemühungen im Hinblick auf eine mögliche extraradikuläre Infektion nicht mehr zugänglich, zumindest an 36, bei den beiden apikalen Aufhellungen an Zahn 37 sieht es weniger problematisch aus.

Der Patient zahlt die Behandlung aus eigener Tasche.
Er ist Anfang Dreissig.
Doch besser die Extraktion mit nachfolgender Implantation ?
Was soll man raten ?

Erfreulich das Ergebnis 2 Jahre nach Erstvorstellung.

 

3 Haselnüsse für Aschenbrödel

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von Hans – Willi Herrmann

„Ja ist denn schon Weihnachten“ schrieb hier vor ein paar Tagen Jörg Schröder und freute sich über 3 schöne Behandlungsergebnisse im Recall. Um diesenTag herum liefen in einer anderen Praxis ebenfalls 3 schöne Fälle auf,  die ich hier, in der Nacht vor Heilig Abend, einstellen möchte.

Denn wie sich mit dem wohl schönsten aller tschechischen Märchenfilme (weil mittlerweile durch alljährliche Repititionen analog  Whams „Last Christmas“ vorkonditioniert) die vertraute weihnachtliche Stimmung gewissermaßen automatisch einstellt, möchte ich das Motto des Films als Überschrift für den nachfolgenden Beitrag wählen, um damit die frohe Botschaft des „Voller Glauben an den Erfolg in der Sache nicht nachlassen in den Bemühungen“  in die Heilige Nacht weiterzutragen.

Ich wünsche im Namen aller WURZELSPITZE-Autoren unseren Lesern ein  frohes, friedvolles Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2017.

Herodontics (1)

von Ostidald Wucker

Die heutige Fallvorstellung hat schon einige Zahnärzte schwer beschäftigt.
Wir empfahlen die Extraktion und Implantation.
Von implantologischer Seite wurde der Patientin der Versuch einer Erhaltung des Zahnes 11 „so lang, wie möglich“ unbedingt nahe gelegt.

Was nun?
Behandlung ablehnen? Experiment wagen, weil es nun nicht mehr viel schlimmer kommen kann? Wir ( Patientin, Parodontologe und Endodontologe) haben uns nach eingehenden Beratungen für ein Erhaltungsversuch entschieden.

Zur Anamnese:
Die Patientin ist zahnärztliche Fachangestellte. 30 Jahre.
Kurzanamnese lt. Patientin:
– Sturz auf Frontzähne im Kindesalter (Datum unbekannt)
– Jan. 2005 WKB des obliterierten Zahnes 11 mit Via Falca
– Okt. 2007 Knochenaufbau und Membran an Perforationsstelle
– Dez. 2007 internes Bleaching mit erneuter Perforation

Klinische Situation:
11 massive eitrige Taschenexsudation seit Jahren, Lockerungsgrad 0, Sondierungstiefen labial 8mm, pd 4mm, p 2mm, pm 2mm, kein Perkussionsschmerz

Behandlung:
Die wichtigsten Dinge habe ich kommentiert. Der chirurgische Part wurde von einer Parodontologin in unserer Praxis übernommen. Zum chirurgischen Part: Nach Präparation eines buccalen Mukoperiostlappens von Zahn 12 bis 22 im Sinne einer papilla preservation technique, wurde die ehemalige Perforation dargestellt. Das dort vorhandene Kompositmaterial wurde bis auf das von intrakanalär applizierte Komposit entfernt. Durch die Verwendung von Surgitips war es möglich, den Bereich der Kavität optimal trocken zu halten. Diese hielten atraumatisch während der Füllungslegung das gingivale Gewebe ab und führten über leichte Kompression zur Reduktion des Blutflusses. Der adhäsive Verschluss erfolgte nach SÄT und Applikation des Adhäsivsystems Optibond FL mit Grandioflow WO und im cervicalen Bereich mit Grandioflow A3. An der distalen Schmelz-Zementgrenze des Zahnes 11 war eine weitere Perforation erkennbar. Der Verschluss dieser wurde ebenfalls wie beschrieben durchgeführt.
Der Nahtverschluss erfolgte interdental als double-o-Naht mit Seralene 5.0. Der Wundheilungsverlauf gestaltete sich komplikationslos. So konnten nach 7 Tagen die Nähte entfernt werden.